Thea Schreiber-Gammelin
geborene Schreiber; geb. Brunshaupten, Deutsches Reich / Kühlungsborn, Deutschland, 25. 3. 1906; gest. Celje, Jugoslawien / Slowenien, 26. 5. 1988
Malerin, Grafikerin und Schriftstellerin; Lebensgefährtin von Alma Karlin, Tochter von Marie Schreiber und einem Pastor; besuchte erst eine private Malschule in Hamburg und setzte ihre künstlerische Ausbildung später in Schweden fort. Nach Lektüre eines Reisebuchs von Alma Karlin nahm sie Kontakt mit der Schriftstellerin auf, besuchte diese mehrmals in Slowenien und begann Illustrationen für deren Werke anzufertigen. Vermutlich 1934 übersiedelte sie nach Celje, ab nun lebten die beiden zusammen; Schreiber-Gammelin führte den Haushalt, fungierte als Karlins Sekretärin und illustrierte ihre Bücher. Als entschlossene Gegnerin des Nationalsozialismus wurde Schreiber-Gammelin (wie auch Karlin) zeitweise inhaftiert. Nachdem sich Karlin 1944 den Partisanen anschloss, fungierte auch Schreiber-Gammelin als Partisanenkurierin. Dennoch wurde Karlins Haus nach Kriegsende konfisziert, und die beiden übersiedelten in ein Wochenendhaus in Pečovnik bei Celje, das Schreiber-Gammelin 1936 erworben hatte. Bald nach dem Tod Karlins konvertierte Schreiber-Gammelin, die völlig verarmt war, zum Katholizismus, trat dem Franziskanischen Säkularorden („Dritter Orden“) bei und besuchte über mehrere Jahre Vorlesungen an der Theologischen Fakultät in Ljubljana. Nachdem ihr diese vorerst verwehrt worden war, erhielt sie um 1953 die jugoslawische Staatsbürgerschaft, was möglicherweise in Zusammenhang mit ihrer Bereitschaft stand, Objekte aus Karlins Nachlass dem Museum von Celje zu vermachen. Aufgrund einer Verletzung während ihrer Tätigkeit als Partisanenkurierin erhielt sie zudem eine Invalidenrente. Eine Autobiographie in Romanform, mit deren Abfassung sie bereits Ende der 1960er-Jahre begonnen hatte, erschien 2016 in slowenischer Übersetzung („Dvoje življenj – en cilj“, deutscher Originaltitel: „Zwei Leben ‒ ein Ziel“).
M. Burkhardt, Malerin, Partisanin, Mystikerin. Thea Schreiber-Gammelin (1906-1988), Rostock 2010
B. Trnovec, Thea Schreiber Gammelin: slikarka, pastorjeva hči, dušma sestra Alme M. Karlin, 2019 (Online-Publikation)