Das Gästebuch von Schloss Neukloster / Novi Klošter (1904–1941)
Das Gästebuch des Landguts in der Untersteiermark, das Paul Parins Eltern bewohnten und bewirtschafteten und auf dem er aufwuchs, stellt ein bemerkenswertes historisches Dokument dar. Es wird hier als Faksimile sowie in Form eines Transkripts mit zahlreichen Hintergrundinformationen präsentiert.
Paul Parins Vater Otto Pollack bekam von seinen Eltern 1904 das schlossartige Landgut Neukloster (auf Slowenisch Novi Klošter) bei Heilenstein (Polzela) in der Untersteiermark geschenkt. Dieses war ursprünglich ein Dominikanerkloster, das unter Josef II. aufgehoben worden war. Otto Pollack (später Parin) baute hier einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb auf und betrieb v. a. Rinderzucht und Hopfenanbau.
Paul Parin verbrachte hier seine Kindheit und den Großteil seiner Jugend. Die Jahre in Neukloster bilden den Hintergrund vieler seiner autobiographisch gefärbten Erzählungen. Einzelne der Gäste figurieren darin (meist unter anderem Namen) auch als Protagonisten.
Otto und Renée Pollack alias Parin legten bald nach Erwerb von Neukloster ein Gästebuch an und führten dieses bis zur Flucht des Ehepaars 1941 kontinuierlich weiter. Diese einmalige Quelle verrät viel über das Umfeld der Familie. Man kann ihre Besucher nach unterschiedlichen Kriterien gruppieren bzw. bestimmten Lebensbereichen zuordnen: Verwandtschaft, gesellschaftlich-repräsentative Beziehungen (etwa zu lokalen Honoratioren oder den damals noch präsenten Adelsfamilien), beruflich-wirtschaftliche Kontakte u. a. m.
Das Gästebuch spiegelt indirekt auch die großen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider ‒ den Ersten Weltkrieg, die Auflösung der Habsburgermonarchie und die Etablierung neuer Staaten und Grenzen.
Das ländliche Neukloster bildete einen gesellschaftlichen Anziehungspunkt in der Region, am Schnittpunkt zwischen den städtischen Zentren Wien, Graz, Laibach, Agram und Triest. Aus dem Gästebuch erfährt man auch einiges über den hier gepflegten Lebensstil, etwa wenn sich die Teilnehmer an Jagden, Tennisturnieren oder Tanzkränzchen eintragen.
Unter den Gästen finden sich auch durchaus prominente Persönlichkeiten, etwa der Architekt Adolf Loos, der Alpinist Julius Kugy, der Entomologe Hans Krekich-Strassoldo von Treuland, der Erfinder Franjo Hamann, der Ophtalmologe Alfred Bielschowsky oder die Reiseschriftstellerin Alma Karlin.
Die Einträge des 115 Seiten umfassenden Gästebuchs sind unterschiedlich gestaltet: Oft enthalten sie nur einen Namen, manchmal erfährt man jedoch auch Näheres zu Anlass oder Ablauf des Besuchs, fast alle sind mit Datum versehen. Einzelne kreativere Gäste hinterließen sogar ein Gedicht oder eine Zeichnung. Von den Namen der insgesamt rund 700 Besucher konnten bislang an die 600 entschlüsselt werden.
Für die Öffentlichkeit aufbereitet
Das Gästebuch ist Teil des Nachlasses von Paul Parin, der vom Verein Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy erschlossen wird. Es wurde transkribiert und mit einem Personenregister versehen. Aus dem Transkript bzw. dem Register sind zu einzelnen Persönlichkeiten weitere Informationen abrufbar. Das Steiermärkische Landesarchiv fertigte dankenswerterweise die Digitalisate an.