Das Gästebuch 
von Schloss Neukloster / 
Novi Klošter
(1904–1941)

Umschlag Vorderseite

Das Gästebuch des Landguts in der Untersteiermark, das Paul Parins Eltern bewohnten und bewirtschafteten und auf dem er aufwuchs, stellt ein bemerkenswertes historisches Dokument dar. Es wird hier als Faksimile sowie in Form eines Transkripts mit zahlreichen Hintergrundinformationen präsentiert.

Paul Parin und Neukloster

Neukloster / Novi Klošter im September 2025 © Alexander Šimec

Paul Parins Vater Otto Pollack bekam von seinen Eltern 1904 das schlossartige Landgut Neukloster (auf Slowenisch Novi Klošter) bei Heilenstein (Polzela) in der Untersteiermark geschenkt. Dieses war ursprünglich ein Dominikanerkloster, das unter Josef II. aufgehoben worden war. Otto Pollack (später Parin) baute hier einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb auf und betrieb v. a. Rinderzucht und Hopfenanbau.

Schloss Neukloster, ca. 1923 © Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy

Paul Parin verbrachte hier seine Kindheit und den Großteil seiner Jugend. Die Jahre in Neukloster bilden den Hintergrund vieler seiner autobiographisch gefärbten Erzählungen. Einzelne der Gäste figurieren darin (meist unter anderem Namen) auch als Protagonisten.

Paul, Emma und Otto (jun.) Pollack (ab 1931 Parin), ca.1930 © Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy

Eine familien- und zeithistorische Quelle

Gästebucheinträge aus dem Zeitraum Mai 1920 bis August 1921 © Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy

Otto und Renée Pollack alias Parin legten bald nach Erwerb von Neukloster ein Gästebuch an und führten dieses bis zur Flucht des Ehepaars 1941 kontinuierlich weiter. Diese einmalige Quelle verrät viel über das Umfeld der Familie. Man kann ihre Besucher nach unterschiedlichen Kriterien gruppieren bzw. bestimmten Lebensbereichen zuordnen: Verwandtschaft, gesellschaftlich-repräsentative Beziehungen (etwa zu lokalen Honoratioren oder den damals noch präsenten Adelsfamilien), beruflich-wirtschaftliche Kontakte u. a. m.

Das Gästebuch spiegelt indirekt auch die großen Umbrüche des 20. Jahrhunderts wider ‒ den Ersten Weltkrieg, die Auflösung der Habsburgermonarchie und die Etablierung neuer Staaten und Grenzen.

Prominente Besucher

Otto (sen.), Renée und Emma Parin (vormals Pollack) hoch zu Ross, ca. 1932 © Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy

Das ländliche Neukloster bildete einen gesellschaftlichen Anziehungspunkt in der Region, am Schnittpunkt zwischen den städtischen Zentren Wien, Graz, Laibach, Agram und Triest. Aus dem Gästebuch erfährt man auch einiges über den hier gepflegten Lebensstil, etwa wenn sich die Teilnehmer an Jagden, Tennisturnieren oder Tanzkränzchen eintragen.

Unter den Gästen finden sich auch durchaus prominente Persönlichkeiten, etwa der Architekt Adolf Loos, der Alpinist Julius Kugy, der Entomologe Hans Krekich-Strassoldo von Treuland, der Erfinder Franjo Hamann, der Ophtalmologe Alfred Bielschowsky oder die Reiseschriftstellerin Alma Karlin.

Der Architekt Adolf Loos besucht Schloss Neukloster im Mai 1912 © Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy

Eine besondere Textsorte

Der Architekt Gustavo Pulitzer-Finali verewigt sich 1910 im Gästebuch mit der Zeichnung eines heute nicht mehr existenten Stiegenaufgangs im Schlosshof © Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy

Die Einträge des 115 Seiten umfassenden Gästebuchs sind unterschiedlich gestaltet: Oft enthalten sie nur einen Namen, manchmal erfährt man jedoch auch Näheres zu Anlass oder Ablauf des Besuchs, fast alle sind mit Datum versehen. Einzelne kreativere Gäste hinterließen sogar ein Gedicht oder eine Zeichnung. Von den Namen der insgesamt rund 700 Besucher konnten bislang an die 600 entschlüsselt werden.

Für die Öffentlichkeit aufbereitet

Das Gästebuch ist Teil des Nachlasses von Paul Parin, der vom Verein Studio und Archiv Paul Parin & Goldy Parin-Matthèy erschlossen wird. Es wurde transkribiert und mit einem Personenregister versehen. Aus dem Transkript bzw. dem Register sind zu einzelnen Persönlichkeiten weitere Informationen abrufbar. Das Steiermärkische Landesarchiv fertigte dankenswerterweise die Digitalisate an.